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Neue Pionierprojekte am Start

Von A wie Algorithmen bis Z wie Zugreisen  

Junge Menschen für politische Teilhabe begeistern, umweltfreundliches Reisen zum Standard machen, mit Start-ups zur Erreichung der Agenda 2030 beitragen und algorithmische Entscheidungsprozesse transparent gestalten – vier ganz unterschiedliche Ziele, aber eine gemeinsame Vision: eine verantwortungsbewusste Gesellschaft, die ihr Handeln reflektiert und Rücksicht nimmt auf künftige Generationen ebenso wie auf planetare Ressourcen. Beim Migros-Pionierfonds sind mit Discuss it, SimpleTrain, Twiliner, Geneva ImpACTs und AlgorithmWatch Schweiz vielversprechende neue Pionierprojekte gestartet.

Ideen für einen positiven gesellschaftlichen Wandel schlagen manchmal ein wie ein Blitz, entfachen Funken der Begeisterung und glühen in den Köpfen über kurze und lange Zeit weiter. Doch damit ist es noch nicht getan. Denn diese Ideen in die Realität umzusetzen und langfristig zum Fliegen zu bringen – das braucht viel Macher*innen-Qualität, Tatkraft und den nötigen Biss, um an einer Sache dranzubleiben. Und nicht zuletzt gehören auch ein tragfähiger Businessplan und die notwendige Startfinanzierung dazu. Jährlich schaffen es im Schnitt zehn bis zwölf neue Projekte ins Portfolio des Migros-Pionierfonds; wir stellen hier fünf aktuelle Neuzugänge vor: 

«Politik-Muffel» aufgepasst 

Viel Elan und Begeisterungsfähigkeit bringt das Team von Discuss it mit. Der gemeinnützige Verein engagiert sich ehrenamtlich für die Stärkung der demokratischen Grundwerte, indem er Jugendliche so früh wie möglich für Politik und politische Teilhabe begeistern will: Damit junge Menschen mitbestimmen, statt über sich bestimmen zu lassen.

Das Projektteam von Discuss it.

Das operative Projektteam von Discuss it: Isabelle Ruckli, Entwicklung und Partnerschaften; Sven Egloff, Recruiting und Organisation; Raffael von Arx, Angebot und Vernetzung; und Melanie Studerus, Kommunikation und IT (v.l.). (Foto: zVg.)

Um auch die «Politik-Muffel» unter den Jugendlichen zu erreichen, setzt Discuss it direkt in den Schweizer Mittel- und Berufsschulen an. Die rund 50 Mitglieder haben in den vergangenen drei Jahren bereits über 150 Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen, Abstimmungsvorlagen und Wahlen organisiert. «Mit den Events in den Schulen wollen wir Politik erlebbar machen, bewusst unterschiedliche Perspektiven aufzeigen und die Jugendlichen aktiv einbinden», sagt Pascal Spähni, Gründer von Discuss it.

Mit Unterstützung des Migros-Pionierfonds wird das Angebot von Discuss it nun professionalisiert und schweizweit ausgebaut. Ein vierköpfiges Projektteam hat den operativen Lead übernommen und treibt die Weiterentwicklung der Vereinsstrukturen und der regionalen Teams voran. «Wir freuen uns auf neue Menschen, Institutionen und Regionen, mit denen wir unsere Begeisterung für die politische Teilhabe von Jugendlichen teilen können», sagt Melanie Studerus, Projektleiterin Kommunikation und IT bei Discuss it. 

Nachhaltiges Reisen auf Schienen

Begeistern will auch das Team von SimpleTrain. Und zwar  für das nachhaltige Reisen. Das Pionierprojekt will aufzeigen, wie einfach und angenehm eine Zugreise sein kann – auch für fernere Ziele. «Für mich sind Europareisen mit dem Zug seit jeher die bequemste und günstigste Art, neue Ziele zu entdecken», sagt Marius Portmann, der SimpleTrain zusammen mit Austin Widmer und Linus Egli lanciert hat. Die Studenten beobachten in ihrem Umfeld aber, dass der Zeitaufwand, um die besten und günstigsten Zugverbindungen ins Ausland zu finden, für viele Leute eine (zu) grosse Hürde darstellt und dass die Inspiration für Zugreisen fehlt.

Das Projektteam von SimpleTrain.

Das Team des Pionierprojekts SimpleTrain: Saskia Bilang, Austin Widmer, Marius Portmann, Karin Hugentobler und Linus Egli (v.l.). (Foto: Sascha Deboni)

Genau hier setzt SimpleTrain an: Ermöglicht durch den Migros-Pionierfonds baut das Pionierprojekt eine zentrale Plattform auf, die nebst Reisetipps einen Buchungsservice anbietet, über den Reisende unkompliziert Zugtickets für die schnellsten und günstigsten Verbindungen in alle Länder Europas kaufen können. Damit will SimpleTrain das Umsteigen auf umweltfreundliches Reisen erleichtern. Marius Portmann hofft, dass das Projekt in diesem Jahr trotz Corona und allfälligen Reiseeinschränkungen wie geplant volle Fahrt aufnehmen kann. Für anfangs April ist der Launch der Plattform geplant.

Der Nachtbus der Zukunft

Zu nachhaltigem Reisen innerhalb Europas will auch das Pionierprojekt Twiliner beitragen. Das Projektteam setzt den Fokus allerdings nicht auf Zugreisen, sondern will den «Nachtreisebus der Zukunft» auf die Strasse bringen. Dieser soll überall dort zum Einsatz kommen, wo es heute an ökologischen Alternativen mangelt – etwa wenn keine Nachtzugverbindungen bestehen. «Wir sind überzeugt, dass Menschen vermehrt auf dem Boden bleiben möchten. Für sich, die Umwelt und die Generation von morgen», sagt Projektleiter Luca Bortolani. 

Noch steht das Projektteam am Anfang: Denn das Herzstück des Busses – Komfortsitze mit Liegemöglichkeit, die den europäischen Sicherheitsrichtlinien genügen – gibt es bisher noch nicht. Sie müssen erst entwickelt und von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Ein erster Meilenstein soll bis Ende Jahr erreicht werden, sagt Luca Bortolani: Bis dann möchten wir einen Komfortsitz entwickeln, der sich in ein bequemes Bett verwandeln kann.»

Das Projektteam von Twiliner.

Ivan Mele (links) und Luca Bortolani sind das Kernteam des Pionierprojekts Twiliner. (Foto: zVg.)

Die Agenda 2030 zuoberst auf der Agenda  

Geneva impACTs hat den Launch der neuen Website vor einigen Wochen gefeiert. Die Initiative, die vom Think-und-Do-Tank Geneva Macro Labs ins Leben gerufen wurde, gehört zu den neuesten Projekten im Themenbereich «Kollaborative Innovation» des Migros-Pionierfonds. Denn sie setzt darauf, diverse Akteur*innen miteinander zu verbinden, also Kollaboration statt Konkurrenz zu fördern. 

Geneva impACTs möchte einen Beitrag leisten, damit wir die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 (zumindest annähernd) erreichen. «Wir wollen nachhaltige Entwicklungsziele als Leitlinie und festen Bestandteil von Innovation und Förderung etablieren – auch und gerade in der Start-up-Szene», sagt Renate Guenther, die bei Geneva impACTs für die Geschäftsentwicklung verantwortlich ist.

Das Projektteam von Geneva impACTs

Das Projektteam von Geneva impACTs: Dr. Ekkehard Ernst, President Geneva Macro Labs; Jörn Erbguth, Legal and IT; Renate Günther, Business Development; Robert Zapfel, Projektleitung, und Dr Marianne Schörling, Stakeholder Engagement and Impact (v.l.). (Foto: zVg.)

Konkret entwickelt Geneva impACTs gemeinsam mit Expert*innen und Investor*innen Projektkonzepte, die direkt auf die UNO-Entwicklungsziele einzahlen, und stellt deren Finanzierung sicher. Anschliessend werden die Projekte in der Start-up-Szene zur Umsetzung ausgeschrieben. Der erste Pilotprozess ist im Januar mit einem Design Thinking Workshop gestartet. Renate Guenther und das Team freuen sich, nun Schritt für Schritt der gemeinsamen Vision näher zu kommen: «Wir wollen zeigen, dass Start-up-Förderung Hand in Hand mit den Zielen der Agenda 2030 gedacht und ermöglicht werden kann.» Ein Novum in der Schweiz, das Standard werden soll.

Vertrauen in Algorithmen? 

Neu in der Schweiz ist auch die Initiative AlgorithmWatch. Nach dem Vorbild des deutschen Pendants ist AlgorithmWatch Schweiz im vergangenen Herbst gestartet und in den ersten Monaten bereits öffentlichkeitswirksam unterwegs (vgl. NZZ am Sonntag oder FM1today)  Im Januar wurde die Schweizer Länderausgabe des Automating Society Reports 2020 veröffentlicht. Diese beleuchtet, welche Rolle Algorithmen – also Anwendungen, die automatisiert Daten analysieren und Entscheidungen vorbereiten oder treffen –  in unserem Leben spielen und formuliert Handlungsempfehlungen für die Politik, die öffentliche Hand und die Gesellschaft.

Anna Mätzener, Projektleiterin AlgorithmWatch Schweiz.
Anna Mätzener, Projektleiterin AlgorithmWatch Schweiz. (Foto: Julia Bornkessel)

«Wir wollen dafür sorgen, dass algorithmische Entscheidungsprozesse fair, inklusiv und nicht-diskriminierend ablaufen und dass Verantwortliche belangt werden können.»

AlgorithmWatch Schweiz ist davon überzeugt, dass eine Gesellschaft den Entscheidungsprozessen von Algorithmen nur dann vertrauen kann, wenn sie weiss, wie sie funktionieren, welche Ziele mit ihnen verfolgt werden und wie diese Prozesse steuerbar sind. Daher setzt sich die gemeinnützige Organisation für mehr Transparenz und Regulierung ein. «Wir wollen dafür sorgen, dass algorithmische Entscheidungsprozesse fair, inklusiv und nicht-diskriminierend ablaufen und dass Verantwortliche belangt werden können», sagt Projektleiterin Anna Mätzener. AlgorithmWatch Schweiz analysiert algorithmische Entscheidungsprozesse nicht nur, sondern erklärt deren Auswirkungen für die Gesellschaft einer breiten Öffentlichkeit. 

Eine Übersicht zu den aktuell vom Migros-Pionierfonds ermöglichten Pionierprojekten findest du hier. Das Portfolio wird laufend mit neuen Projekten ergänzt.  

Text: Lea Müller